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Newton-Teleskop Justierung


Wer sich ein Teleskop zulegt, wird früher oder später über das Thema Justage stolpern. Die meistem Händler überprüfen die angebotenen Teleskope zwar vor der Auslieferung, aber auch beim Transport kann eine Kollimation (Justage) zunichtegemacht werden. Zwar gibt es zu diesem Thema reichlich Tutorials, die aber nicht alle Fragen beantworten. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, unsere eigenen Erfahrungen zusammenzutragen.

Wenn wir von einer Newton-Teleskop-Justage sprechen, dann meinen wir eine vollständige Justage samt Fangspinne und Fangspiegel. Es gibt viele Gründe, die den Ausbau der Fangspiegelspinne rechtfertigen würden wie z.B. das Verkleiden des Tubusinneren mit Velourfolie, um einen besseren Kontrast zu erzielen. Die Justage eines Newtons sollte aber auch unabhängig davon regelmäßig überprüft werden. Um eine saubere Abbildung zu gewährleisten, müssen alle optischen Komponenten exakt aufeinander ausgerichtet sein.

Die nachfolgenden Schritte zeigen eine vollständige Justage, die nur dann durchgeführt werden muss, wenn die Komponenten zuvor abgebaut wurden. Sollten die Fangspiegelstreben entfernt worden sein, müssen diese gleichmäßig über die Rändelschrauben gleichmäßig angezogen werden, sodass der Abstand zwischen den einzelnen Fangspiegelstreben und dem Tubusinneren überall gleich ist. Zu beachten ist lediglich, dass einige Hersteller nicht den Fangspiegel mit Versatz aufkleben, sondern die Streben mit Versatz montieren.

Schritt 1: Okularauszug zu Tubus

Wenn ein neuer Okularsauszug (OAZ) zum Einsatz kommen soll oder aber der alte OAZ aus irgendwelchen Gründen demontiert wurde, dann sollte dieser bei einer Monate möglichst gerade zum Tubus sitzen. Dazu wird im Tubus der Punkt markiert, der sich gegenüber dem OAZ Loch befindet. Der Fangspiegel darf jedoch noch nicht montiert sien. Die meisten OAZs haben zum Einstellen Schrauben, die je nach Lage mehr oder weniger angezogen werden.

Schritt 2: Fangspiegel zu Okularauszug

Dieser Justageschritt ist eher selten, trifft aber vor allem diejenigen, die ein eigenes Teleskop bauen oder zuvor den Fangspiegel (FS) samt Fangspinne ausgebaut haben. Aber auch bei Unachtsamtkeit an der zentralen Schraube des FS kann sich die FS-Einheit verstellen bzw. verdrehen. Mit einem typischen Justage-Laser kann dieser Schritt jedoch nicht durchgeführt werden, auch wenn dieser ab Schritt 3 ein perfekt aufeinander abgestimmtes System vortäuscht. 

Übrigens hat die Positionierung des FS keinen Einfluss auf die Schärfe und den Kontrast. Durch eine korrekte Ausrichtung des FS zum OAZ werden Abschattungen verhindert und eine volle Bildfeldausleuchtung erzielt. Ist der FS in der Querachse des Tubus zum OAZ verkippt, so entstehen zum Rand unscharfe Abbildungen, da die Bildebene zum Okular ebenmfalls verkippt ist.

Für diesen Schritt sollte ein Cheshire Justierokular verwendet werden. Der FS wird über die mittlere Schraube (Verdrehung sowie Verschiebung längst der Tubusachse) so auf den Okularauszug ausgerichtet, dass der FS beim Blick durch die Justierhilfe exakt mittig und rund erscheint. (Auch wenn sphärische Form, sollte dieser mittig sein) . Die drei-vier Schrauben für das verkippen des FS bleiben davon unberührt.

Folgendes Bild zeigt einen leicht verstellt FS.

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Fangspiegel zum OAZ leicht nach rechts/unten verstellt/dejustiert

Zum Verstellen sollten die Justierschrauben zunächst gelöst werden und die mittlere Schraube leicht angezogen werden. Mit der Hand kann die Position am FS-Halter etwas nach links gedreht werden, um eine schöne runde Form zu gewährleisten.  Mit der Hand weiterhin den FS in dieser Position halten, während die mittlere Schraube etwas fester angezogen wird. Ich drehe den FS mehrmals hin und her, bis ich das Gefühl habe, dass ich eine schöne runde Form habe und der Rand überall gleichmäßig ist.

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Chesire Okular als Justierhilfe an einem Skywatcher Flextube 300P

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Fangspiegel-Justierung – Mittlere Schraube für Verdrehung und Höheneinstellung

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Fangspiegel Justierschrauben für Kippbewegung

Wenn die Justierschrauben zum Verkippen des FS festgezogen sind und der FS weiter nach oben versetzt werden muss. Dann sollten diese alle gleichmäßig gelöst werden (z.B. mit einer halben Umdrehung) und die mittlere Schraube anschließend angezogen werden. Wenn der FS nach unten versetzt werden soll, dann die mittlere Schraube in kleinen Schritten lösen und die drei Justierschrauben jeweils etwas anziehen, bis diese leicht den den FS-Halter berühren. Das feste Anziehen geschieht erst im nächsten Schritt.

Um die verwirrenden Spiegelbilder, die vom HS reflektiert werden, zu unterdrücken, wird am besten ein weißes Blatt Papier zwischen HS und FS verwendet. Ein ausgerichteter FS sieht dann in etwa so aus:

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Newton-Justage mit weißem Papier zwischen FS und HS, um verwirrende Spiegelungen zu vermeiden.

Die Justage kann aber auch mit einer alten Filmdose und einem ca. 3-5mm großen Loch in der mitte oder einem selbstgedruckten 2″ Adapter mit Loch aus dem 3D-Drucker verwendet werden. Am einfachsten gestaltet sich jedoch die Verwendung eines Spheretec Concenter SE. Durch eine Plexiglasscheibe mit Ringen lässt sich die exakte Position, bei der der FS mittig und rund erscheint, noch besser bestimmen. Nach diesem Schritt kann das weiße Blatt Papier zwischen FS und HS entfernt werden.

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Spheretec Concenter SE als Justagehilfe

Hinweis: Übrigens macht es bei manchen OAZs einen Unterschied, ob Justierhilfen und Laser mit den Fixierschrauben festgespannt werden oder nicht. Aber da geht jeder Teleskopbeobachter seinen eigenen. Wenn Okulare später auch eingespannt werden sollen, dann empfehlen wir auch die Justierhilfen einzuspannen.

Schritt 3: Fangspiegel auf Hauptspiegel

Hierfür kann ein Justierlaser verwendet werden. Aber auch mit Concenter oder einem Chesire ist dieser Schritt durchführbar. Vorausgesetzt das Teleskop verfügt über eine Mittenmarkierung auf dem Hauptspiegel (HS), wird der Laser in den OAZ gesteckt, festgeklemmt und eingeschaltet. Dieser Schritt kann bei einem 45° gekippten Tubus, wie er unter anderem auch beim Beobachten verwendet wird, durchgeführt werden. Auch empfehlen wir 2″ Justierhilfen, um durch eine Reduzierung den Verkippungseffekt nicht zu verstärken. Der Laserpunkt muss nun mit Blick auf den HS exakt in der Mittenmarkierung landen, indem die drei-vier Schrauben des FS verstellt werden. Man zieht dabei immer die Schraube an, die entgegen der gewünschten Position des Laserpunktes liegt. Sollte der Laserpunkt ziemlich weit links von der Mittenmarkierung aufleuchten, sollte die entgegengesetzte Schraube fest angezogen werden und anschließend die anderen beiden Justierschrauben leicht gelöst werden. Die Schrauben jedoch nicht komplett lösen, da sich beim anziehen sonst der FS verdrehen könnte. Stets in kleinen Schritten vortasten. 

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Justierlaser an einem Newton Teleskop

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Justierung des FS zum HS mittels Justierlaser

Die Justierschrauben können übrigens auch durch M4 Rändelschrauben mit einer Länge von 35-45mm ersetzt werden, um die Justage zu erleichtern.

Mit einem Concenter Okular oder einer Justierhilfe wie einer Filmdose ist dieser Schritt ebenfalls zu bewerkstelligen. Das Bild des HS sollte beim Blick durch die Justierhilfe exakt mittig im FS erscheinen. Dazu orientiert man sich am besten an den HS-Haltern. Der Abstand von den drei bis vier HS-Haltern sollte zum Rand des FS überall gleich sein. Auf die Spiegelung des FS sollte nicht geachtet werden, da z.B. viele FS mit einem Versatz (Offset) verklebt sind und dann nicht exakt zentrisch im HS erscheinen. Übrigens bewirkt der Offset, dass das Bildfeld gleichmäßig ausgeleuchtet wird. Auch die Fangspinnenmitte könnte in diesem Schritt noch versetzt erscheinen. Deshalb liegt der Fokus nur auf den HS selbst und nicht auf die Spiegelungen.

Folgendes Bild zeigt den FS zum HS dejustiert:

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Dejustierter FS zum HS

Und so sollte ein justiertes Bild aussehen, wobei das noch nicht ganz optimal ist, da der Halter links nicht zu sehen ist.

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Justierter FS zum HS

Mit einem Concenter Okular gestaltet sich dieser Schritt wesentlich einfacher, wie folgendes Bild zeigt. Die Mittenmarkierung, die im unteren Bild mittig eingemalt ist, wird erst im nöchsten Schritt in die Mitte des Concenters ausgerichtet.

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Newton Teleskop Justierung des HS zum FS mithilfe eines Concenter Okulars

Schritt 4: Justierung prüfen

Nach Schritt 3 (!) kann es durchaus vorkommen, dass die Schritte 2 und 3 mehrmals wiederholt werden müssen, da der FS durch die Verkippung unter umständen verdreht wird und dann nicht mehr ganz rund im OAZ erscheint. Auch kann es durch Anziehen der drei Justierschrauben passieren, dass der FS weiter in Richtung HS gedrückt wird und der Fangspiegelrand dann nicht mehr exakt mittig zu sehen ist, sondern leicht nach unten versetzt. Sollte das der Fall sein, müssen zunächst die drei Justierschrauben gleichmäßig z.B. mit einer 3/4 Umdrehung gelöst werden. Lieber etwas mehr lösen, da diese am Ende durch das Anziehen des FS wieder herunterdrücken. und die Position dann unverändert bleibt. Anschließend die mittlere Schraube Handfest anziehen, wobei die Schritte 2 und 3 befolgt werden müssen.

Schritt 5: Hauptspiegel zu Fangspiegel

Der Hauptspiegel wird nun auf den Fangspiegel ausgerichtet. Am hinteren Tubusende befinden sich drei Justageschrauben, wobei moderen Teleskope mittlerweile fast alle auf Rändelschrauben setzen. Mit dem Justierlaser ist dieser Schritt sehr einfach. Der Tubus wird wie bei einer reinen Beobachtung auch auf etwa 45° gekippt. Die gekippte eingefasste Scheibe am Laser zeigt nach unten zum HS. Der Laserstrahl gelangt über den FS zum HS und anschließend zum FS zurück und zum OAZ. Der Laserpunkt muss nun exakt in seinem Ursprung finden und das ist die um 45° gekippt eingefasste Scheibe aus Kunststoff, ALuminium oder Metall. Dabei muss der Punkt exakt das Loch in der Mitte treffen. 

Der Justierlaser kann übrigens aus dejustiert sein. Hier am besten mal das Gerät leicht einklemmen und um die eigene Achse drehen. Wenn der Punkt beim Blick von oben auf den HS keinen Kreis durchläuft bzw. bildet, ist der Laser justiert.

Mit einem Concenterokular oder einer Filmdose bringt man die Mittenmarkierung exakt in die mitte des FS-Halters (nicht in die mitte des FS, da dieser ja mit Versatz verklebt sein kann und nicht mittig sitzt). HS und Mittenmarkierung befindet sich dann exakt konzentrisch. Um die Mittenmarkierung besser zu erkennen, kann von oben auch mit einer hellen Taschenlampe reingeleuchtet werden. Demnach sollte auch der Mittelpunkt der Fangspinnenbefestigung exakt mittig sein. Der FS selbst könnte durch den Offset aber leicht versetzt gespiegelt werden.

Schritt 6: Hauptspiegel am defokussierten Stern ausrichten.

Zum Abschluss sollte die Justage des HS an einem defokussierten Stern erfolgen. Dazu sollte ein möglichst heller Stern mit geringer Eigenbewegung anvisiert werden wie z.B. der Polarstern. Bei gutem Seeing sollte eine möglichst hohe Vergrößerung gewählt werden, wobei die Maximalvergrößerung des Teleskops als Richtwert dient. Bei schlechtem Seeing dagegen eine eher kleinere Vergrößerung wählen, wobei die Justage dann etwas ungenauer ist. Für beide Vorgehensweise gilt: Der HS sollte ausgekühlt sein.

Nun wird der Stern möglichst scharf gestellt, bis dieser punktförmig erscheint. Anschließend wird der Stern etwas unscharf gestellt, wodurch Ringe mit einem schwarzen Punkt ind er Mitte erscheinen. Dabei kann sowohl intra- als auch extrafokal defokussiert werden. Um nicht zu stark zu defokussieren, sollte darauf geachtet werden, dass die Fangspinne gerade so zu erahnen ist. Sind die Fangspiegelstreben deutlich zu sehen, ist zu stark defokussiert. Sind alle Ringe zentrisch, ist die Justage damit abgesachlossen. Andernfalls wird an den 3 Stellschrauben des HS die Position solange angepasst, bis alle Ringe zentrisch erscheinen. Zu berücksichtigen ist, dass diese Methoden sehr feinfüllig und in kleinen Schritten durchzuführen ist. 

 

1 Kommentar zu Newton-Teleskop Justierung

  1. Hans-Georg

    Eure Webseite kenne ich bisher nur durch Games und 3D-Druck.Dass Ihr zum thema Astronomie einene neuen Bereich aufbaut, finde ich echt klasse.Bei der Justierung meines Skywatcher 8″ war eure Anleitung sehr hilfreich. Die meisten Anleitung sind zu kurz, zu aufgequolen oder nicht verständlich. Klasse, weiter so!

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