Astronomie

EQ-Montierung – Ausrichtung


Nicht nur die Observatorien haben sich mit leistungsfähigen Teleskopen weiterentwickelt, auch die Hobby-Astronomen setzen auf moderne Technik. Um gute Fotos vom Sternenhimmel zu schießen, bedarf es einer guten Ausrüstung und viel Erfahrung. Wer Astrofotografie mit einem Teleskop betreibt, wird sich auch mit dem Thema „Montierungsausrichtung“ auseinandersetzen müssen. Deshalb möchten wir in diesem Beitrag auf die Ausrichtung einer AZ-EQ6 Pro eingehen, die auch auf andere Montierungen übertragen werden kann.

Die Vorfreude nach dem Kauf einer parallaktischen Montierung dürfte vor allem bei Einsteigern sehr hoch sein. Zudem sind die Erwartungen je nach Preiskategorie hoch. Insbesondere nach der ersten Inbetriebnahme kann es doch sehr frustrierend sein, wenn die Montierung nicht das macht, was sie machen soll. Meistens scheitert es an Kleinigkeiten, die einfach übersehen werden oder in den Handbüchern nicht eindeutig beschrieben sind. Anhand einer AZ-EQ 6 möchten wir Ihnen zeigen, wie einfach die Ausrichtung sein kann. Um die notwendingen Parameter wie Breitengrad oder Höhenlage zu bestimmen, kann entweder GoogleMaps verwendet werden oder aber die App SynscanInit für Android. Es gibt sicherlich noch andere hilfreiche Tools. Die Daten müssen nämlich alle korrekt sein, da die Montierung sonst immer in den falschen Himmelsabschnitt zeigt.

[1] Montierung grob nach Norden ausrichten. Bei der AZ-EQ 6 ist in dem Dreibeinstativ ein schwarzes Metallstück eingebaut, das nach Norden zeigen soll. Das Stativ mit einer Wasserwaage nivellieren.

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[2] Montierkopf auf das Stativ setzen, mit der Mittenschraube unter dem Stativ fixieren und die Azimuteinstellschrauben leicht anziehen. Diese dienen später dazu, den Polarstern möglichst Mittig im Polsucher zu platzieren. Das Spreizrad sollte ebenfalls montieren, um die Stativbeine so weit wie möglich auseinanderzudrücken.

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[3] Am Montierkopf den Breitengrad bzw. die Polhöhe (engl.: Latitude) einstellen.

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[4] Die Montierung in die Parkposition bringen, wobei die Gewichtsstange nach unten zeigt.

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[5] Wasserwaage für beide Achsen, Telrad einstellen“““ (noch in Arbeit)

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[5] Ausrichtung des Polsuchers prüfen. Der Polsucher wird für die polare Ausrichtung weiter unten verwendet. Der Polarsucher selbst kann jedoch dejustiert sein. Daher sollte vor dem ersten Einsatz am besten bei Tageslicht sichergestellt werden, dass die Kalibrierung einwandfrei ist. Dazu werden die Abdeckungen des Polsuchers und der Polsucheröffnung enternt, die Gleichgewichtsstange ausgefahren und die Dec-Achse um 90° nach links gedreht, so dass man über den Polsucher freie Sicht hat.

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[6] Der Montierungskopf wird nun so platziert, dass ein entferntes Objekt mit festem Punkt in der Mitte des Fadenkreuzes im FOV des Polsuchers zu sehen ist. Die Einstellung erfolgt über die Azimut-Einstellknöpfe und über die Höheneinstellung.

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[7] Ein Kamin eignet sich dafür ebenso gut wie ein Funk- oder Strommast. Wenn man jetzt die Montierung in der R.A Achse um eine halbe Umdrehung dreht (Gegengewichtsstange als Hebel verwenden) und danach die R.A. Kupplung festzieht, sollte das Objekt nach der Drehung weiterhin im Zentrum des Fadenkruzes sein. Ansonsten ist eine Kalibrierung erforderlich. Achtung: Sollte die R.A. Kupplung nicht angezogen werden, gibt es leichtes Spiel, was das Ergebnis verfälscht.

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Dafür können die drei 1,5mm-Imbusschrauben am Polsucher verwendet werden, wobei immer nur eine Schraube gelöst wird, während die anderen beiden angezogen werden. Zu viel Kraftaufwand kann die Linse zerstören. Die Abweichung sollte niemals vollständig reduziert werden, da bei einer erneuten Drehung das wieder nicht mittig erscheinen wird, sondern gespiegelt. Die Abweichung stets zur hälfte reduzieren! Wenn die Abweichung zur Fadenkreuzmitte etwa 4mm beträgt, reduziert man diese um 2mm. Das Objekt sollte sich dann zwischen der Fadenkreuzmitte und der der Abweichung nach Drehung der R.A. Achse befinden. Wenn jetzt die R.A Achse erneut um eine halbe Drehung bewegt wird, sollte das Objekt nicht mehr mittig sein, aber auch nicht mit der zuvor festgestellt Abweichung. Jetzt führt man die Kalibrierung erneut durch, bis das Objekt langsam in der Mitte des Fadenkreuzes bleibt. Nach der Kalibrierung des Polsuchers, sollte die Dec-Achse wieder in ihre Parkposition gebracht und die Kupplung wieder angezogen werden.

[8] Gewichte anbringen. Diese müssen ungefähr dem Teleskop samt Zubehör entsprechen

[9] Teleskop grob fixieren

[10] Montierung ausbalancieren, so dass diese in jeder Lage im Gleichgewicht steht.

[11] Teleskop in die Grundstellung bringen. Teleskop-Öffnung weist nach Norden, Gegengewichtsstange weist zum Boden

[12] Montierung einschalten

[13] EQ-Modus wählen Standortdaten eingeben (Achtung, können je nach Standort des Teleskps abweichen):

  • Set Longitude: E 00X° XX“
  • Set Latitude: N XX° XX“
    Timezone: +01:00 (Deutschland)
  • Set Elevation: +0194m (Höhenlage)
  • Date: mm/dd/yyy (Format abhängig von Spracheinstellungen; Reihenfolge beachten, da Tag und Monat oft vertauscht werden)
  • Time hh:mm:ss
  • Daylight Saving: „YES“/“NO“ (Sommerzeit=“YES“/Winterzeit=“No“)
  • Polaris Position i: hh:mm (Abhängig von Daten wie Daylight, Uhrzeit, Datum, etc.; Wert wird sowohl von hilfreichen Tools angezeigt als auch von der SynScan-Fernbedienung)
  • Polaris Hour Angle: hh:mm (Zeit, seit dem Polaris den Meridian überquert hat. Grundsätzlich nicht erforderlich)

[14] Durch den Teleskopsucher schauen und mithilfe der Azimuteinstellschrauben die Montierung grob auf Polars drehen. Nicht an den Montierungsachsen drehen, sondern nur mittels Azimuteinstellschrauben! Der R.A.-Achsenshöhenhebel kann dafür ebenfalls verwendet werden. Meisten liegt nur eine minimale Abweichung vor. 

[15] DEC-Achsen lösen und um 90° drehen, so dass die Öffnung des Polsuchers freie Sicht gewährt.

[16] Nun mittels R.A-Achsenhöhe und Azimuteinstellschrauben Polaris über den Polsucher zwischen den beiden Ringen auf die entsprechende Uhrzeit (Polposition i) bringen. Oben steht 12h und unten 6Uhr! Man kann das Fadenkreuz auch tagsüber an einer möglichst horizontalen Hauskante ausrichten und die Skala entsprechend drehen, so dass 0 und 6 oder 9 und 12 möglichst parallel zur Dachkante verlaufen. Dann hat man Abends eine bessere Übersicht, wo die entsprechende Urhzeit tatsächlich liegt, sollte die drehbare Skala dann aber wieder zurückdrehen, da diese leichtes Spiel beim Aufdrehen hat.

[17] Bei einigen Montierungen kann die Polsucher-LED gedimmt werden, da oftmals zu hell

[18] Wenn alles passt, Teleskop wieder in die Parkposition bewegen und beide Kupplungen festziehen!!!

Sterne-Alignement

Für den visuellen Einsatz reichen die Ausrichtung der Montierung sowie die Eingabe der Parameter. Für die Astrofotografie sollte darüber hinaus ein Sterne-Alignment durchgeführt werden. Dabei wird der tatsächliche Sternenhimmel mit dem intern gespeicherten Abbild abgeglichen und gegebenenfalls Korrekturen von der Steuerung vorgenommen. Die SynScan-Steuerbox bietet 1-, 2- und 3- Sterne-Alignment. Denn je nach Einsatzort gibt es nicht immer freie Sicht in alle Himmelsrichtungen. Dann kann es sinnvoll sein, sich einen passenden Stern aus der SynScan-Liste auszusuchen, der gerade sichtbar ist. Wenn aber das 1-Stern-Alignment durchgeführt wird, kann es dennoch sein, dass beim Anfahren eines Objekts dieses nicht unbedingt in der Okularmitte zu sehen ist. Das ist aber durchaus normal, da viele Faktoren eine Rolle spielen wie Getriebespiel, Orthogonalitätsabweichung, Flexure und viele mehr. Um die Genauigkeit zu erhöhen, empfiehlt sich daher ein 2- oder 3-Stern-Alignment. Von unserem Standort aus haben wir beispielsweise freie Sicht Richtung Osten, so dass ein 3- Sterne-Alignment durchaus möglich ist. Jedoch sollte bedacht werden, dass je nach Wahl des ersten Sterns die entsprechenden Zweit- und Drittsterne wählbar sind. In unserem Fall ist die Kombi Mirach-Scheat-Deneb optimal. Zu später Stunde ist Deneb jedoch nicht sichtbar. Hier ergibt sich dann eine andere Kombi: Mirach-Scheat-Matar. Wird statt Mirach ein anderer Stern wie Alpheraz gewählt, ergeben sich als Zwei- und Drittstern ganz andere Kombinationen, die aber nicht mehr in unserem standortbezogenen sichtbaren Bereich liegen. Deshalb empfiehlt es sich, das Alignment vorher durchzuführen und über eine App zu prüfen, ob zu einer entsprechenden Zeit die gewählten Sterne überhaupt im sichtbaren Bereich liegen.

Hier die gängigstens Verfahren für das Alignment:

  • Initialisierung mit einem Stern (1-Star-Alignment)
    Erfordert eine möglichst exakte Aufstellung der Montierung sowie die Ausrichtung auf den Polarstern. Je weiter man sich von dem entsprechenden Stern entfernt, desto ungenauer wird die Steuerung. Daher empfiehlt sich diese Initialisierung bei beschränkter Sicht und/oder bei visueller Beobachtung
  • Initialisierung mit zwei Sternen (2-Star-Alignment)
    Eignet sich sehr gut für Beobachtungen, für die Astrofotografie jedoch noch zu ungenau
  • Initialisierung mit drei Sternen (3-Star-Alignment)
    Es werden Ungenauigkeiten effektiver Kompensiert. Hierzu sollten auch die Einstellschrauben auf der Prismenschiene des Teleskops überprüft werden, um den sogenannten „cone error“ zu vermeiden. Liegt ein „cone error“ vor, so verändert sich sich bei einer Drehung des Teleskops um 180° das Blickfeld deutlich. Montierungen wie die AZ-EQ 6 Pro haben bereits sehr gute Mikrocontroller an Board, die diesen „cone error“ ausgleichen können. Deshalb verwendet die Software in diesem Fall einen dritten Stern, bei dem der „cone error“ möglichst hoch ist.
  • Initialisierung mit Sonne, Mond oder Planeten (Solar-Alignment)
  • Initialisierung mit frei wählbaren Sternen (Sky-Align)

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