Astronomie

Astronomie für Einsteiger und Fortgeschrittene – Ratgeber


Das Zubehör macht’s 

Teleskop werden in allen möglichen Varianten angeboten. Ein optischer Tubus ohne Montierung wird als OTA bezeichnet, was für Optical Tube Assembly steht. Alternativ kann ein Tubus aber auch in Kombination mit einer Montierung erworben werden. Im Set enthalten sind üblicherweise auch diverse Adapter, wobei die meisten Teleskop-Sets mit eher schwachem Zubehör ausgestattet sind. Auch die Montierungen sind grenzwertig ausgelegt. Deshalb sollte für das Zubehör ein ebenso hohes Budget wie für das Teleskop selbst eingeplant werden.

Friktionsbremse bei Dobson

Die Rockerboxen bei den Dobsons (engl.: Dobsonians) ist sehr stabil und eignet sich auch bei hohen Vergrößerungen zum ruckelfreien nachführen. Fast alle Hersteller statten ihre Dobsons Friktionsbremsen aus, die verhindern sollen, dass sich der Tubus schon beim Okularwechsel in Bewegung setzt. Skywatcher verwendet für seine Höhenräder als Material Kunststoff und Teflongleitlager an der Rockerbox. Wenn das Teleskop jedoch mit den seitlichen Fixiergriffen montiert wird, entsteht zwischen Höhenrad und Holzboxwand eine Reibung, die den Dobson im schlimmsten Fall schwergängiger werden lässt oder zum Ruckeln bringt. Mit einem Lagersystem bestehend aus Teflon und EbonyStar lässt sich ein sanftes und feinfühliges Bewegen umsetzen. Die in die Mode gekommenen Rollenlager laufen zwar ebenfalls sehr leichtgängig, aber etwas zu gefühllos und somit nicht sauber steuerbar. Ein Dobson sollte zwar ruckelfrei, aber nicht zu leicht bewegt werden können.
 
Zu kaufen gibt es Teflon und EbonyStar in diesem Shop: www.gerdneumann.net

Okular

Okulare verhalten sich wie Linsen und vergrößern das vom Teleskop erzeugte Abbild. Die Vergrößerung errechnet sich mit
 
Brennweite Teleskop / Brennweite Okular
 
Okulare gibt es in den beiden genormten Standardgrößen 2″ und 1.25″. Mit einem 2″ Okular erhält der Beobachter einen guten Überblick bei gleichzeitig kleiner Vergrößerung. Es eignet sich beispielsweise für große Nebel und wird oftmals auch als Übersichtsokular bezeichnet. Beim Aufsuchen von Objekten fängt man üblicherweise mit der kleinsten Vergrößerung an und arbeitet sich je nach Objekt langsam vor. Alle Teleskope ab einem Objektivdurchmesser von 150-200 besitzen einen Okularauszug für 2″ Okulare. Um Objekte näher zu betrachten, nutzt man die 1.25″ Okulare. Hier unterscheidet man jedoch zwischen mittlerer Vergrößerung für Galaxien und mittelgroße Nebel und hoher Vergrößerung für Planeten, Mondkrater oder schlechtem Seeing.
 
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Okular- und Filterset sowie Justierlaser

Anfänger sollten sich 3-4 gute Okulare zulegen, die auch für andere zukünftige Teleskope verwendet werden können. Da dies die wohl wichtigste Investition ist, sollte man nicht an der falschen Stelle sparen. Mit 3 guten Okularen hat man mehr gewonnen als mit 10 schlechten Okularen.
Ein großer Augenabstand, ein großes Gesichtsfeld, eine gute Randschärfe und ein hoher Lichtdurchsatz sind bei der Wahl eines Okulars unerlässlich. Im oberen Bild ist auch eine Barlow-Linse zu sehen, da einige Okulargrößen aufgrund der Corona-Krise nicht lieferbar sind und eine 2fach-Barlow-Linse die doppelte Vergrößerung liefert. 
 
Wie man die minimale, optimale und maximale Vergrößerung berechnet, haben wir weiter oben bereits gezeigt. Bei einem 12″ Teleskop mit 305/1500, einem Öffnungsverhältnis von f/4,9 und einem Pupillendurchmesser von 7mm des dunkeladaptieren Beobachters ergeben sich folgende Werte:
  • Minimalbrennweite: 30mm
  • Optimalbrennweite entspricht Öffnungsverhältnis = 4,9
  • Minimale Vergrößerung: 305/7=43,5-fach
  • Optimale Vergrößerung: 203-fach
  • Maximale Vergrößerung: 381-fach
Bei dem Thema Okulare stolpert man vor allem über den Begriff Gesichtsfeld. Okulare mit einem Eigengesichtsfeld kleiner 50° erwecken den Eindruck, man blicke durch einen Tunnel. Mit Okularen, bei denen das Eigengesichtsfeld mehr als 65° beträgt, erlebt der Beobachter den „Space-Walk-Effekt“. Das liegt daran, dass das menschliche Auge etwa 60-70° überblickt, ohne bewegt werden zu müssen. Bei Weitwinkel- und Ultraweitwinkelokularen nimmt das Auge deshalb die Ränder des Bildausschnitts nicht mehr wahr.

UHC oder OIII Filter?

Filter gelten als die Hilfsmittel für Himmelsbeobachtungen. Dabei stoßen Sternenfreunde immer wieder auf die Nebelfilter UHC und OIII, die sich insbesondere bei Deep-Sky-Beobachtern wachsender Beliebtheit erfreuen. Dabei werden unerwünschte Wellenlängenbereiche abgedunkelt, wodurch sich der Kontrast der beobachteten Objekte verschärft. Um Filter verwenden zu können, sollte das entsprechende Gewinde am Okular oder an der Verlängerungs- oder Reduzierhülse vorhanden sein. Die Skywatcher Standard-Reduzierung hat leider kein 2″-Innengewinde.
 
Die 2″-Filter von Astronomik verfügen über ein M48x0.75 Gewinde und können an das Ende des Okulars verschraubt werden. Wenn man jedoch kurzbrennweitige 1.25″-Okulare verwendet, nutzt man üblicherweise noch eine Reduzierung. Jede gute Reduzierung von 2″ auf 1.25″ verfügt jedoch über ein entsprechendes 2″-Filtergewinde. Skywatcher gehört jedoch zu den wenigen Herstellern, die seine Dobsons mit Reduzierungsstücken ausstattet, die kein M48x0.75 Innengewinde besitzen. Übrigens gibt es noch andere Gewindearten wie beispielsweise T2, was M42x0.75 entspricht.  Normalerweise verwendet man Nebelfilter mit Übersichtsokularen, weil viele Nebel ausgedehnt sind wie beispielsweise der Corrisnebel. Und gute Übersichtsokulare mit einem breiten Gesichtsfeld sollten in 2″ angeschafft werden. 
 
Da wir für eine einfache Fotografie ohne Nachführung eine Sony A7 M2 Vollformatkamera nutzen, werden die Objekte nur sehr klein auf dem Kamerachip abgebildet. Daher nutzen wir für eine größere Darstellung eine Barlowlinse von Explore Scientific als Brennweitenverlängerung. Als Zubehör liegt auch ein Reduzierstück 2″ auf 1.25″ mit 2″ Innengewinde für Filter auf Teleskopseite bei. Daher ist der Kauf eines zusätzlichen Adapters nicht notwendig.
 
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Explore Scientific Reduzierung als Zubehör einer Barlow-Linse mit 2″ Innengewinde

Mit dem universellen UHC-Filter (UHC – Ultra High Contrast) von Astronomics wird vor allem für Nebel verwendet. Dabei wird genug Licht durchgelassen, um auch die Sterne in der näheren Umgebung des Nebels zu sehen. UHC-Filter sind im Vergleich zu OIII-Filter breitbandiger, wodurch das gesamte Bild insgesamt heller ist. Da UHC-Filter gelbes und blaues Licht fast vollständig ausblenden, kommt es bei einigen Sternen zu einem Farbstich. Galaxien (bestehen auch aus Sternen), Sterne, Sternenhaufen und Reflexionsnebel sollte mit einem UHC-Filter nicht beobachtet oder fotografiert werden. Das liegt daran, dass diese Objekte in alle Farben leuchten. Man sollte sich aber von nachbearbeiteten Fotoaufnahmen auch nicht täuschen lassen, denn mit keinem Filter können diese Farben so dargestellt werden wie auf lang belichtete Aufnahmen.
Etwas weniger als UHC Filter sind OIII verbreitet. Insbesondere das Licht von ionisiertem Sauerstoff wird durchgelassen, während andere Linien ausgeblendet werden. Das Bild ist im Vergleich zu UHC-Filtern dadurch auch dunkler. Mit einer großen Teleskopöffnung (z.B. 300mm) bzw. einer größeren Austrittspupille lassen sich Objekte wie planetarische Nebel und Supernovaüberreste besonders gut beobachten. 
Wer aber in der Nähe von Umgebungslicht beobachtet, wird feststellen, dass z.B. bei einer Beobachtung des Hantel-Nebels (M27) mit einem UHC-Filter ein gedämpftes Streulicht durchgelassen wird, während ein OIII-Filter kaum noch Streulicht durchlässt. Der OIII-Filter schluckt aber nicht nur das Streulicht, sondern auch das Licht der Sterne.

Polfilter

Ein 2″ Polfilter macht je nach Anwendung wenig Sinn, wenn Mond und Planeten mit möglichst hoher Vergrößerung beobachtet werden. 2″ Übersichtsokulare werden dafür üblicherweise nicht verwendet. Stattdessen greift man zu 1.25″ Okularen im Format 1,25″, weshalb auch ein Polfilter in diesem Format angeschafft werden kann. 

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Baader einstellbarer Polfilter

Sucher

Sucher-Fernrohre gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Diese werden parallel auf das Teleskop montiert und erleichtern das Auffinden von Objekten. Bei der Astrofotografie werden diese auch gerne als AutoGuider verwendet. Dabei wird ein Astrokamera an den Sucher angebracht und die Nachführungsabweichungen mittels Software wie PHD2 ausgeglichen. Gängige Sucher werden in den Durchmessern 30mm und 500mm angeboten. Die einfachen Sucher sind mit integrierten Fadenkreuzen ausgestattet. Eine weitere unverzichtbare Aufsuchhilfe ist das Telrad. Als Ergänzung zu einem optischen Sucher eignet sich dieses Zubehörteil ausgezeichnet.

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Skywatcher 9×50 Sucher mit Halter – geradsichtiger Einblick

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Skywatcher 9×50 Sucher mit Halter + Sucher mit Kamera für Auto-Guider

Adapter

Erweiterungs- und Reduzieradapter gibt es wie Sand am Meer. Die meisten Hersteller statten ihre Teleskope bereits mit entsprechenden Adaptern wie einer Reduzierung von 2″ auf 1.25″ aus. Adapter ermöglichen aber auch ein Wechsel der Gewindearten von SC und T-2 auf das klassische Steckmaß. Bei den Skywatcher Dobsons sind beispielsweise eine Reduzierung von 2″ auf 1.25″ sowie eine 2″ Verlängerung dabei. Letztere wird in den seltensten Fällen verwendet. Zudem bietet die Reduzierung von 2″ auf 1.25″ teleskopseitig kein 2″ Innengewinde, um beispielsweise 2″ Nebelfilter zu verwenden. Mit einem 2″ Okular lässt sich ein solcher Filter montieren, mit einem kurzbrennweitigen 1.25″ Okular aber nicht. In diesem Fall empfehlen wir diesen Adapter von TS-Optics, der neben der Reduzierung von 2″ auf 1.25″ teleskopseitig ein Innengewinde für 2″ Filter besitzt. Okularseitig ist außerdem ein T2-Außengewinde angebracht, sodass es universell einsetzbar ist. Der Adapter hat aber noch einen weiteren Vorteil, nämlich eine Ringklemmung, um Okulare nicht zu beschädigen.
 
Wer also seine Systemkamera oder seine Filter an seinem Teleskop nutzen möchte, kommt um passende Adapter nicht herum. Gute Okularsauszüge verfügen über ein 2″ Innengewinde, um 2″ Filter einzuschrauben. Skywatcher stattet seine Teleskope jedoch nur mit sehr einfachen Adaptern aus. Dennoch sollte man nicht gleich zum nächstbesten Adapter greifen, denn viele Komponenten wie Barlow Linsen werden bereits mit entsprechenden Adaptern geliefert. Die Explore Scientific Barlow Linse 2-fach verfügt beispielsweise über ein 2″ Innengewinde, um, Filter einzuschrauben. Auch das Reduzierstück von 2″ auf 1.25″ verfügt über das 2″ Innengewinde. Somit entfällt ein zusätzliches Adapterstück und man spart sich 15-30 EUR.
 
Möchte man beispielsweise mit einer Sony A7 M2 ein paar schöne Schnappschüsse machen, benötigt man ein Adapter für E-mount-Kameras, der üblicherweise auf der Okularseite ein T2-Innengewinnde besitzt. Bei mehreren Adaptern sollte die gesamte Länge beachtet werden. Wenn die Adapter insgesamt zu kurz oder zu lang ausfallen, kommt man nicht in den Fokus. Unsere ursprüngliche Reduzierung 2″ auf 1.25 hat eine Länge von etwa 49mm ohne die 2″ Steckhülse zu berücksichtigen. Die oben verlinkte Reduzierung hat zwar eine Gesamtlänge von 50mm, jedoch ist alleine die Steckhülse 35mm lang. Das bedeutet, dass sich aus Seitenwand und T2 Außengewinde eine Restlänge von 15mm ergibt. Um trotzdem in den Fokus zu kommen, wir entweder eine 1.25″ Verlängerung oder aber die teleskopseitig mitgelieferte 2″ Verlängerung verwendet werden. Besitzer von 3D-Drucker können sich solche Adapter auch einfach drucken. Auch sollte man beoachten, dass bei einem Okularauszug-Aufrüstsatz wie dem Moonlite CR2 bereits hochwertige Adapter dabei sind. Daher sollte man sich vor dem Kauf gut überlegen, ob man mit dem Standard-Okularauszug seine Beobachtung fortführt oder vor hat, den OAZ komplett zu tauschen. 

2 Kommentare zu Astronomie für Einsteiger und Fortgeschrittene – Ratgeber

  1. Beni

    Dass ihr mal eure Videospiele mit 3D-Druck ergänzt, war bereits eine Überraschung. Aber das Thema Astronomie mit aufzunehmen, ist, ja mega geil. Ich gehe mal davon aus, dass es vor allem für den 3D-Druck interessant ist, weil sich viele Bauteile drucken lassen.

    Super, weiter so!

  2. Jaguar1099

    Puh! Das nenne ich einen umfangreichen Artikel.Das muss ich mir mal in Ruhe durchlesen.Auf den ersten Blick sieht das aber klasse aus.Was mir besonders gut gefällt sind dier nicht ganz so übertriebenen Astrobilder.Viele Bilder entsprechen nämlich nicht dem, was die Leute vom Balkon aus mit ihrem 8-10″ Newton aufnehmen.

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