Artikel | Reviews

Anycubic I3 Mega – Bester 3D-Drucker für den Einstieg


Farben und Strukturen von Filament

Im Lieferumfang vom I3 Mega ist neben dem Drucker selbst auch eine Rolle schwarzes PLA-Filament enthalten. PLA-Material ist fest, erhärtet relativ schnell und weist eine hohe Widerstandskraft auf. Darüber hinaus lässt es sich auch bei sehr niedrigen Temperaturen gut verarbeiten. Ein beheiztes Druckbett ist prinzipiell nicht notwendig. Wenn die Qualität des Filaments jedoch nicht stimmt, ist die Freude am 3D-Druck nur von kurzer Dauer. 


Filament von Patona

Mittlerweile gibt es eine große Anzahl an Herstellern, die Filament in verschiedenen Farben, Zusammensetzungen und Eigenschaften anbieten. Dazu gehört auch das Unternehmen Patona, das sein Sortiment um Filament erweitert hat und uns freundlicherweise mehrere Rollen zur Verfügung gestellt hat. Zunächst haben wir mit dem Patona PLA-Filament Wood/Holz gedruckt und waren trotz hölzerner Struktur über das gute Druckergebnis überrascht. Das kleine 3D-Modell Baby Groot wurde mit einem Düsendurchmesser von 0.4 mm sowie mit einer niedrigen Drucktemperatur von 195°C sehr gut verarbeitet. Es gab keine erwähnenswerte Geruchsbildung und keine Verfärbungen am Material, was insgesamt für ein hochwertiges Filament spricht. Lediglich die notwendigen Stützstrukturen haben sichtbare Spuren hinterlassen, die sich aber mit einer Pinsette oder Schleifpapier leicht entfernen lassen. Da spezielle Filamente mit Metall- oder Holzstruktur die Standarddüsen zerstören können, empfiehlt sich dafür eine Düse mit einem Durchmesser von mindestens 0.5 mm. 

AnycubicI3Mega_21

AnycubicI3Mega_22

Dank der guten Farbauswahl wird Patona aber auch kreativen Anforderungen gerecht. Die beiden Rollen Patona PLA-Filament rot und Patona PLA-Filament blau liefern ebenfalls ein ausgezeichnetes Druckergebnis, auch wenn die Rollen ausschließlich in 1.75 mm verfügbar sind. Dafür liefert Patona ein Filament mit einer hohen Elastizität, echten Farben, guten Eigenschaften hinsichtlich Drucktemperatur (190-230°C) und einen gleichbleibenden Durchmesser. Zudem ist es schlag- und stoßfest und somit auch für andere Anwendungsgebiete wie Armschienen oder Prothesen geeignet. Das Patona – Filament bekommt von uns daher eine ganz klare Kaufempfehlung.

 

Filament von filamentworld

Ein weiteres hochwertiges Filament wurde uns von filamentworld zur Verfügung gestellt. Die Materialien der Eigenmarke sind in verschiedenen Durchmessern, Größen und Farben erhältlich. Das PLA-Filament 1.75 mm – Himmelblau sowie das PLA-Filament 1.75 mm – Feuerrot lassen sich bei 190-210°C gut verarbeiten und bestechen durch kräftige gleichbleibende Farben und einer ausgezeichneten Druckqualität. Die Bauteile für das 3D-Schlumpf-Modell wurden getrennt voneinander ohne Parameteranpassung gedruckt und sind nicht nachbearbeitet oder bemalt.

AnycubicI3Mega_PLA_fw1

Die Bruce Lee Figur von Thingiverse zeigt das Druckergebnis mit dem blauen PLA-Filament von filamentworld, diesmal jedoch mit angepassten Parametern und einer Schichthöhe von 0.2 mm. Der Abrieb an der Brust rührt daher, dass die Stützstruktur bereits im STL-Modell integriert wurde und nur schwer zu lösen war.

AnycubicI3Mega_PLA_Patona1

AnycubicI3Mega_PLA_Patona2

Neben PLA hat filamentworld auch PLA-Plus, PETG und ABS im Programm. PETG und PLA lassen sich relativ einfach verarbeiten und haben ähnliche Anforderungen. Gleichzeitig überzeugt PETG durch höchste Schlagfestigkeit und Temperaturbeständigkeit. Um gute 3D-Druckergebnisse z.B. mit dem PETG Filament 1.75 mm – Glasklar von filamentworld zu erzielen, sollten insbesondere die Parameter Drucktemperatur der Düse, die Druckgeschwindigkeit, die Betttemperatur und die Kühlung gut gewählt werden. Der 3D-Druck des Alienkopfes von Thingiverse hat in unserem Test nicht auf Anhieb geklappt, da sich das Modell immer wieder von der Druckplatte löste und die Nozzle daran hängen blieb. Mit einer Drucktemperatur von 225°C (PLA bei ca. 195°C), einer Bett-Temperatur von 70-75°C und einer Druckgeschwindigkeit von 50mm/s konnten wir jedoch ein ausgezeichnetes Ergebnis erzielen. An der Retraktion oder der Flussrate sollten keine Anpassungen vorgenommen werden, wenn nicht unbedingt notwendig. Eventuell dürfte für eine gute Haftung hilfreich sein, den Lüfter erst ab dem 2. Layer einzuschalten, damit das Material besser haften kann.

AnycubicI3Mega_PETG_fw1

AnycubicI3Mega_PETG_fw2

In einem weiteren Testlauf haben wir außerdem das PETG Filament 1.75 mm – Grau von filamentworld getestet. Diesmal jedoch mit dem Benchy-Modell und einer Drucktemperatur von 210°C, die wir mithilfe des TempTowers ermittelt haben. Die für das PLA-Filament verwendeten Parameter wie die Retraction und die Lüftergeschwindigkeit wurden zunächst beibehalten. Für PETG sollte die Retraction jedoch etwas niedriger als für PLA eingestellt werden. Dieses Basic Retraction Modell von Thingiverse eignet sich hervorragend, um die optimale Retraction zu bestimmen. Eine deaktivierte Retraction führt nämlich dazu, dass überschüssiges Material von der Düse tropft und Fäden am Modell zieht. Beim Erhöhen der Retraction ist jedoch Vorsicht geboten, da ein zu hoher Wert zu einer Unter-Extrusion führen kann. Der Drucker extrudiert dann nicht genug Filament, wodurch eine Spalte zwischen Perimeter und Füllung entsteht. Der optimale Wert variiert je nach 3D-Druckertyp, eingesetztem Filament und Druckerkonfiguration. Während der Anycubic I3 Mega mit einer Retraction von 6mm sehr gut druckt, reichen für den Dremel 3D40 Idea Builder bereits 2-3mm aus. Weitere Ursachen für eine Unter-Extrusion können beispielsweise ein falscher Extrusionsmultiplikator oder ein abweichender Filamentdurchmesser sein. Bei PETG sollte außerdem die Lüftergeschwindigkeit nicht auf 100% gesetzt werden, um eine bessere Haftung zu erzielen.

AnycubicI3Mega_PETG_fw3

AnycubicI3Mega_PETG_fw4

Auf dem Markt gibt es eine riesige Anzahl an Herstellern, die eine umso größere Auswahl an Filament bieten. Die Herstellungsverfahren laufen üblicherweise computergesteuert ab, um den exakten Durchmesser jedes Filaments innerhalb strenger Toleranzen sicherzustellen. filamentworld.de setzt hohe Qualitätsansprüche an das 3D Druckmaterial und verspricht einen nahezu völlig runden Durchmesser (+/- 0,05mm).

Wer sich dennoch für ein qualitativ minderwertiges Filament entscheiden sollte, der kann Abweichungen im Filamentdurchmesser in der Slicer-Software korrigieren. Bei Qualitätsfilamenten ist der Materialdurchmesser meist mit einer Genauigkeit von ca. 0,05-0,1 mm angegeben. Daher sollte man stets den Durchmesser des Filaments überprüfen und zwar auf einer Länge von ca. 1-2m. Aus den gemessenen Werten kann dann der Mittelwert gebildet werden, der in der Slicer-Software korrigiert werden kann. Wir empfehlen jedoch stets Qualitätsfilament wie das von filamentworld.de zu verwenden.

 

Filament von Janbex

Ein weiteres sehr beliebtes Filament kommt vom Hersteller Janbex, der sein PLA-Filament fast ausschließlich über Amazon vertreibt. Auf der Webseite des Unternehmens finden sich alle relevanten Informationen zum Druckmaterial. Das Angebot umfasst derzeit neben 3D Drucker Filament in den fünf Farben Blau, Rot, Schwarz, Weiß und Orange auch PLA-Filament in Bronze oder mit Holz-Struktur. Dabei verspricht Janbex optimale Temperatureigenschaften, ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis sowie Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit. Für unseren Test hat uns das Unternehmen freundlicherweise mehrere Filamentrollen zur Verfügung gestellt. Die Verpackung ist recht einfach gehalten und mit allen nötigen Informationen versehen. Wir haben uns das Janbex PLA Filament 1.75 mm Bronze und das Janbex PLA Filament 1.75 mm Grau beide näher angeschaut und die entsprechenden Parameter für optimale Drucktemperatur und Retraction mithilfe des TempTowers und dem Basic Retraction Test ermittelt. Das PLA-Filament macht einen qualitativ hochwertigen Eindruck und hat so gut wie keine Abweichungen in der Rundheit. Toleranzen im Durchmesser konnte wir ebenfalls keine feststellen. Für den Testdruck haben wir die Einstein-Bust und Boba Fett von Thingiverse ausgewählt und beide Modelle mit einer Schichthöhe von 0.2 mm gedruckt. Mit einer Drucktemperatur von 197°C und einer Retraction von 3-4 mm konnte uns das PLA-Filament voll und ganz überzeugen. Das Material lässt sich problemlos verarbeiten, haftet ausgezeichnet und hält auch sonst alle Versprechungen hinsichtlich der Produktbeschreibung ein.

AI3M_Janbex_bronze_1

AI3M_Janbex_grau_3

AI3M_Janbex_grau_1

AI3M_Janbex_grau_2

Anycubic I3 Mega

Verpackung und Zubehör 90%
Verarbeitung 85%
Druckqualität 80%
Handhabung 85%
Fazit

Der Anycubic I3 Mega ist der perfekte 3D-Drucker für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen. Der 3D-Drucker hat uns von der Verpackung, über den Aufbau bis hin zur ersten Inbetriebnahme überzeugt. Der I3 Mega ist mit wenigen Handgriffen aufgebaut, bietet eine solide Bauweise und liefert auf Anhieb 3D-Modelle aus PLA in einer guten Qualität. Das stabilere ABS kann der I3 Mega nicht verarbeiten, weil es aufgrund der offenen Bauweise schneller abkühlt und sich dadurch stark verformt. Sicherlich bieten sich in dieser Preisklasse auch alternative 3D-Drucker wie der Creality CR-10 oder der Anet A8 an. Diese Modelle sind jedoch wesentlich schlechter verarbeitet und mit mehr Zeitaufwand für den Aufbau verbunden. Eine gute Mischung zwischen DIY-3D-Drucker und guter Durck- und Verarbeitungsqualität ist der Tevo Flash, der preislich aber etwas höher angesiedelt ist. Der Anycubic I3 Mega ist mittlerweile für unter 250 EUR erhätlich und kann aufgrund seiner guten Druckqualität auch mit weitaus teureren Modellen mithalten. Daher kann der 3D-Drucker uneingeschränkt empfohlen werden.

Gesamtwertung 85%
Readers Rating
10 votes
76

3 Kommentare zu Anycubic I3 Mega – Bester 3D-Drucker für den Einstieg

  1. J.Altensteiger

    Ich habe durch Zufall im deutschen RepRap Forum von dem Test des Anycubic i3 Mega erfahren.
    Ich besitze seid Juli diesen Jahres selber einen und bin für diese Preisklasse überaus begeistert.
    Ich hatte mal das Glück an einem Drucker zu drucken, der ca 15mal teurer ist, der aber bei weitem nicht die Druckteil Qualität erreicht hat wie der i3 Mega. Und dies ist keine Übertreibung!

    was mir aber persönlich am i3 Mega nicht gefällt, daß ist die etwas lasche Magnet befestigung vom Filament Sensor der beim Ende des Filaments den Drucker stoppt. Bei mir kam es immer wieder vor, daß der Sensor aus der Halterung ging und dadurch oftmals gestoppt hatte. Aber auch bei einer festen Montage die ich dann vorgenommen hatte, stoppte immer mal wieder der Drucker obwohl noch genügend Filament auf der Rolle war.

    Dann hatte ich jetzt im Oktober das Problem, daß die Düse unkontrolliert hoch geheizt hatte und auch nicht
    mit Heizen aufgehört hatte bis das Filament aus der Düse verdampft ist. Der Fehler konnte aber über den Support über einen regen E-Mail Kontakt und fachkundigem Mitarbeiter, mit einer absolut fachkundigen Anleitung mit Bildern wo ich was und wie mit einem Multimeter nachmessen muß, eingegrenzt werden. Irgendein Widerstand auf dem Board war defekt und ich bekam direkt aus China kostenlos ein neues zugeschickt. Die Elektronic Bauteile auf dem Board scheinen da also nicht die beste Qualität zu sein? Das Board war aber von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Zustellung nach ca.14 Tagen bei mir eingetroffen!

    Aber der Support zwischen mir und China war absolut vorbildlich, wenn man bedenkt, daß ich mich nur mit dem Google Translator von Deutsch auf Englisch und bei einer Rückantwort aus China von Englisch wieder auf Deutsch unterhalten habe. Das war wirklich spitzenmäßig von Anycubic. Da hatte ich persönlich schon mit zwei deutschen Druckeranbietern was Support betrifft sehr schlechte Erfahrungen gemacht! Der eine Anbieter verkauft Drucker die schon mal 15mal teurer und beim anderen Anbieterca 3-4mal teurer sind, und das wo überhaupt nichts vormontiert ist so wie beim Anycubic i3 Mega.

    Aber sonst kann ich den Testern nur zustimmen, es ist schon der beste Drucker für diesen Preis und nicht
    nur für Anfänger geeignet, sondern auch für Profis!

  2. Daniel K.

    Servus!

    Das Problem hatte ich auch. Es gibt richtig gute Drucker wie der von BCN3D mit Dual Extruder, etc…. Aber wenn ich mir das Preis/Leistungsverhältnis anschaue, greife ich eher zu dem günstigen Teil. Andererseits habe ich bei den günstigen stets angst aus dem Haus zu gehen. Ich traue der Elektronik einfach nicht.

    DIe Magnetbefestigung löst sich bei mir auch immer und je nach Winkel kann es bei weichen Materialien auch mal zu Knicken führen. Aber Anycubic ist da sehr kulant. Ich hab mir gleich nach dem Kauf Zubehörteile kostenlos schicken lassen. War nicht sehr zufrieden und man bot mir Ersatz an. Würde das auf alle Fälle mal versuchen.

    Der Kontakt an sich ist gut, jedoch dauert es mir viel zu lange einen Tag pro Anfrage zu warten. China halt …

    Wenn du dir in Zukunft wieder eine Drucker kaufst, lohnt sich auch ein Blick auf Kanäle auf Xing.de oder Linkedin. Die aktiven Firmen mit gutem Support sind dort sehr aktiv. Daran zeigt sich dann auch das Interesse an der Kundschaft.

    Ein Test sagt natürlich nur etwas über das getestete Objekt aus. Wenn jemand ein Montagsgerät erwischt, ist das natürlich ärgerlich. Für mich war der Test sehr hilfreich und mein Gerät für 216 EUR läuft bereits seit 200 Stunden einwandfrei. Ich habe mir lediglich neue Düsen bestellt. Das Druckbild ist noch viel besser. Optimieren brauche ich recht wenig, da sich die Qualität dann eher verschlechtert. Perfekt wird es sowie nie 😉

  3. TigerClaw

    Hallo Zusammen,
    es freut uns, dass Euch der Test gefällt. Dieser Bericht wird in den nächsten Wochen bezüglich Filamentauswahl noch erweitert. Derzeit warten wir auf neues Material von einem weiteren FIlamenthersteller.

    Wir haben übrigens den Dremel3D40 im Test. Der Artikel dazu wird in den nächste Tagen sammt Verlosungsaktion online gehen.

    Auch sind 2 weitere große Verlosungen zu 3D-Druckern und Filament geplant. Eventuell auch neue Tests zu Original Prusa MK3 und Drucker aus Fernost wie z.B. Anycubic Photon.

    @J.Altensteiger
    Der Anycubic ist natürlich kein perfekter Drucker. Wenn man jedoch die Angebote nutzt und das Gerät für 216 EUR mit Lieferung direkt aus Deutschland erwirbt, hat man unter Umständen einen guten Drucker. Dann tut es auch nicht weh, wenn dieser mal streikt oder nach 1-2 Jahren nicht mehr funktioniert. Sicherlich sind 200 EUR an sich auch viel Geld. Aber bei 1000 EUR und mehr würde ich mich persönlich noch viel mehr ärgern. Da erwartet man eigentlich auch bessere Druckergebnisse.

    Der Tevo Flash erscheint mir persönlich derzeit sehr interessant. Eventuell werde ich mir das Gerät zu Testzwecken zulegen. Ein Kollege hat das Teil und bekommt sehr schöne glatte Oberflächen.

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.